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Veränderungen -

Neue Perspektiven für Geflüchtete

Alles hat seine Zeit – so lesen wir es schon in der Bibel. Während einige Gemeindeglieder weiterhin in Flüchtlingsheimen arbeiten, so zum Beispiel regelmäßig Fahrräder reparieren, zeigte sich, dass unsere monatlichen Einladungen in unser Gemeindehaus nicht mehr wahrgenommen wurden. Die meisten Flüchtlinge hatten inzwischen Integrationskurse erhalten und haben sich einen Freundeskreis aufgebaut. Das ist auch gut so.

Trotzdem ist das Heim in der Brodauer Straße weiterhin ausgelastet – jetzt hauptsächlich mit syrischen Flüchtlingsfamilien. Auf Wunsch von Frauen aus dem Heim wurde unsere Kirchengemeinde von der Leitung des Heimes Anfang 2018 angefragt, ob wir uns mit Müttern und Kindern treffen könnten, um mit ihnen Deutsch zu sprechen. Eine Sprache lernt man am leichtesten, wenn man die Möglichkeit hat, sie zu sprechen. Es fanden sich Frauen, die diese Aufgabe bereit waren zu übernehmen.

Die Initiative ging von den Frauen in der Flüchtlingsunterkunft in der Brodauer Straße aus. Fast ein Jahr trafen wir uns mit vier Frauen und ihren Kindern im Gemeindehaus, um mit ihnen Deutsch zu sprechen und ihnen bei ihren Problemen so weit wie möglich zu helfen. In einem Kurs Deutsch zu lernen bedeutet noch nicht, dass man auch die Sprache sprechen kann. Die Kinder wurden in dieser Zeit von einer Frau unserer Gemeinde liebevoll betreut. Ein Junge im Alter von 5 Jahren hatte noch keinerlei Integration. Er bekam einen Platz in unserer Kita. In diesem Jahr wurde er eingeschult. Die Familie bekam eine Wohnung in einem anderen Stadtbezirk. Eine andere Syrerin, deren Familie sich im Laufe der Jahre integriert hatte, bekam ein Baby und konnte nicht mehr an den Treffen teilnehmen. Sie wird aber von einer Frau unseres Chores weiterhin betreut. Eine andere Frau kam nicht mehr, da ihr Mann eine Arbeit bekommen hatte. Die vierte Frau kam eines Tages freudestrahlend und erzählte, dass sie eine Arbeit und Wohnung gefunden habe. Sie wohnen seit Dezember in einer Wohnung von Berlinovo und sind inzwischen unabhängig vom Jobcenter. Wir sind weiterhin bereit, den Geflüchteten zu helfen, wenn sie sich an uns wenden. Einige nehmen diese Hilfe gern in Anspruch.

In der Flüchtlingsunterkunft in der Brodauer Straße hängt weiterhin ein Aushang, dass die Möglichkeit besteht, im Gemeindehaus dienstags von 16-17 Uhr Deutsch zu sprechen. Zurzeit nimmt das eine junge Frau aus Eritrea wahr. Im Unterschied zu den syrischen Flüchtlingen ist sie Christin. Eine neue bereichernde Erfahrung.

Seit Januar 2019 ist ein junger Mann aus dem Iran Mitglied unserer Gemeinde. Er flüchtete, da er in seinem Land zum christlichen Glauben konvertieren wollte und dadurch Schwierigkeiten bekam. Nachdem er Unterricht im christlichen Glauben genommen hatte, ließ er sich in unserer Gemeinde im Januar 2019 taufen und kommt regelmäßig in den Gottesdienst. Inzwischen kann er sich schon gut in Deutsch verständigen, sodass es auch anderen Gemeindegliedern leichter fällt, Kontakt zu ihm aufzunehmen.

Ich denke, dass diese Art der Arbeit mit Flüchtlingen auch ein Zeichen für unser Zertifikat „Faire Gemeinde“ ist.

Katharina Alze-Meusel